Versuch über politisches Theater – Teil 1

Es gibt zwei Arten, über politisches Theater nachzudenken, zwei Satzanfänge: I. „Theater ist politisch, weil …“ oder II. „Theater ist politisch, wenn …“.

I. „Theater ist politisch, weil …“

Dann müssten allgemeine Bedingungen skizziert werden, die das Theater in allen möglichen Varianten insgesamt erfüllt und die Qualifizierung als politisch rechtfertigen.

II. „Theater ist politisch, wenn …“

a) deskriptiv

Diese Satzstruktur scheint nur eine Beschreibung einer Gattung des Theaters einzuleiten, eine rein analytische Aussage, die Bedingungen nennt, unter denen man eine Art von Theater als politisches bezeichnen kann. Dann gäbe es also Theater, das nicht politisch ist und man müsste die Differenz zwischen poltischem und nicht-politischem Theater benennen.

b) normativ

Häufig aber scheint dieses „wenn …“ aber auf ein Werturteil zuzusteuern. Die Bedingung ist eigentlich ein Wunsch oder eine Forderung. Theater soll politisch sein. Charakteristisch für die Diskussion in der Theaterkritik und Theaterwissenschaft ist, dass dieses Sollen nicht explizit formuliert, sondern nur insinuiert wird.
Wie begründet sich dieses Sollen?

aa) Hegelianisch gedacht: Aus dem Begriff oder der Grundstruktur des Theaters folgt, dass es politisch ist, und nur wenn es diesen Begriff erfüllt, ist es Theater im vollen Sinn. Wenn nicht, ist es irgendwie minderwertig? Man müsste also wie bei I. den Begriff oder die Grundstruktur des Theaters genauer bestimmen. Und erklären, wie aus diesem „Sein“ des Theaters ein „Sollen“ hervorgeht.

bb) Oder ist die Forderung nach einem politischen Theater einfach eine moralische Forderung wie jede andere? Theater soll politisch sein, weil es dann die Interessen einer möglichst großen Zahl von Menschen fördert? Es wäre mehr als nur die Forderung, dass das Theater den Anforderungen der Politik entspricht („politisch korrekt“), sondern, dass es einen moralisch wertvollen Beitrag zur Politik leistet. Das Theater wäre so also nicht autonom, sondern wäre der Politik untergeordnet und diese wiederum der Moral.

I.+II. Die Politik oder das Politische

Für beide Untersuchungen stellt sich die Frage, ob die Qualität „politisch“ sich auf die Politik oder auf das Politische bezieht. Denn in der Philosophie der Politik und auch in der theatertheoretischen Diskussion hat sich die Unterscheidung zwischen „der Politik“ (la politique) und „dem Politischen“ (le politique) durchgesetzt. Bezieht sich also politisches Theater auf den Bereich der Politik oder des Politischen oder auf beides? Wie ist also die Beziehung zwischen dem Nomen „Politik“, dem attributiven Adjektiv „politisch“ und dem substantivierten Nomen „das Politische“ im Falle des Theaters?

Erika Fischer-Lichte hat in ihrem Lexikonartikel „Politisches Theater“1 vier Begriffsverständnisse unterschieden:

1. Strukturelle Polizität von Theater, 2. Anthropologische Wirkungsansprüche von Theater als politische, 3. Thematische Polizität von Theater, 4. Neue Politiken des Ästhetischen.

Die Begriffsverständisse 1 und 2 sind von von der Art „Theater ist politisch, weil ..“ (I.) und zielen auf das Theater insgesamt, auf seine Struktur (1) oder seine Wirkung (2). 3. ist eine Bestimmung eines bestimmten Typus’ von Theater, also II a), häufig aber auch II b) bb). Am interessantes aber ist Fischer-Lichtes Begriff Nr. 4, weil er in den letzten Jahren die theaterwissenschaftliche Diskussion beschäftigt hat.

Im Folgenden sollen also die Fragen, die sich aus I, II a) und b) ergeben sowie Fischer-Lichtes Nr. 4 untersucht werden, jeweils mit Bezug auf die philosophische oder theaterwissenschaftliche Literatur und gelegentlichen Bezügen zur aktuellen Theaterpraxis.

I. „Theater ist politisch, weil …“

1. Alain Badiou  – Oliver Marchart

Bei Alain Badiou, dem französischen Philosophen, der sich bis heute immer politisch engagiert hat und zugleich auch als Autor im Theater präsent war, müsste man eine Antwort finden. 2

Für Badiou besteht zwischen Theater und Politik („la politique“) eine „formale Analogie“ 3 Er nennt dieses Ähnlichkeitsverhältnis auch „Isomorphie Theater/Politik“. Sie beruht nicht auf thematischen Bezügen, sondern auf der Struktur. Er sieht aber auch eine Distanz zwischen Politik und Theater, die er „figurativ“ nennt 4. Um die Analogiebeziehung von Theater und Politik zu zeigen, zählt er die Elemente der beiden Bereiche auf:

„Also: Ort, Text, Regisseur, Schauspieler, Bühnenbild, Kostüme, Publikum sind die Elemente des Theaters, die man a priori ableiten kann. Und Organisationen, textliche Referenten, Denker, Eigennamen, Staat, unterschiedliche Standpunkte und ereignishafte Massen sind die zwingenden Zutaten einer politische Situation.“ 5

Für Badiou ist Politik nichts Permanentes, „Politik findet statt.“ und ebenso das Theater: „Die Vorstellung findet statt.“ 6. Die vollkommene Prekarität in der Zeit hat das Theater mit der Politik („la politique“) für Badiou gemeinsam. Für Badiou ist das „gehaltvolle“ Theater im Unterschied zum Kino und zum Boulevard-‚Theater‘ eine Angelegenheit des Staates und beansprucht deshalb Subventionen.7

„Von allen Künsten ist das Theater diejenige, die am beharrlichsten an die Politik angelehnt ist (oder sie voraussetzt).“ 8

Für Badiou bringen Ereignisse Wahrheiten hervor, sowohl in der Kunst (und damit im Theater) als auch der Politik. Wahrheit ist für Badiou der Prozess der Treue zu einem Ereignis.9

Diese Konzeption von Politik 10 kann man kritisieren, weil sie das antagonistische Element von Politik nicht beachtet11. Aber auch unabhängig von seiner politischen Theorie kann man festhalten, dass selbst Badiou keine Identität von Politik und Theater behauptet. Für Badiou wäre also der Satz „Theater ist politisch, weil …“ so nicht fortsetzbar. Er müsste heißen: „Theater ist ähnlich wie Politik, weil …“.

Badiou trifft mit seiner Bestimmung des Verhältnisses von Theater und Politik als ein Verhältnis von Nähe ohne Identität einen Punkt, den auch andere Theorien des politischen Theaters beachten.

Oliver Marchart zum Beispiel konstatiert ebenfalls

„eine gewisse Ähnlichkeit theatralen und politischen Handelns“, “ eine prinzipielle Vergleichbarkeit der Bretter, die die Welt bedeuten, mit dem öffentlichen Raum der Politik“.12

Marchart untersucht zwei der Paradebeispiele für politisches Theater, die Besetzung des Theatre Odéon in Paris 1968 und das Re-enactment der russischen Oktoberrevolution 1920 in St. Petersburg durch den Regisseur Nikolai Evrejnoff. Marchart zeigt an diesen Beispielen aber die prinzipielle Undarstellbarkeit  des Antagonismus, der das Wesen von Politik ist. Für ihn gibt es deshalb nur eine ungefähre Annäherung, eine „passage à l’acte“ an den Antagonismus. Das dem Antagonismus der Politik am ehesten entsprechende Genre des Theaters  ist für ihn das Melodram (wobei er die französischen  und britischen Bühnenmelodramen  des 18. und frühen 19. Jahrhunderts meint, nicht das musikalische Genre). Weil er aber dem Theater der Gegenwart schwerlich das Melodrama als zukunftweisendes Muster für politisches Theater anempfehlen kann, überlässt er die Schlussfolgerung für das künftige Theater der englischen Theaterwissenschaftlerin Janelle Reinert:

„ein radikal-demokratisches Theater … würde  einen Theaterraum, eine Theateröffentlichkeit aus „Bürger-Zuschauern“ („citizen-spectators“) implizieren, die „zu Inszenierungen des sozialen Imaginären zusammenkommen, um die Affirmation, Anfechtung und Durcharbeitung unterschiedlichster Materialien und diskursiver Praktiken, die der Konstitution einer demokratischen Gesellschaft angemessen sind, zu erfahren.“13

Für Marchart scheint politisches Theater möglich zu sein, ohne dass für ihn alles Theater politisch ist oder das Theater Teil des Politischen oder der Politik ist. Nur eine Annäherung an die Politik ist möglich.

Eine stichhaltige Begründung, warum alles Theater per se politisch sei, lässt sich also nicht finden.  Der Satz „Theater ist politisch, weil …“ bleibt unvollendet.

2. Jens Roselt

Eine völlig andere philosophisch fundierte Bestimmung der Struktur des Theaters findet sich in Jens Roselts Habilitationsschrift „Phänomenologie des Theaters“ 14. Sie kommt völlig ohne den Verweis auf Politik aus. Sehr wohl aber untersucht Roselt die besondere Struktur der Gemeinschaft, die eine Theatervorstellung herstellt. Er analysiert die Theatersituation zwischen Performer (Schauspieler:in) und Publikum (Zuschauer:in) als ein Wir, ohne irgendeinen Verweis auf Politik.

Er parallelisiert nicht wie Badiou Publikum (Theater) und „ereignishafte Massen“ (Politik), sondern bestimmt eng orientiert an den Erscheinungsformen des aktuellen Theaters die Besonderheit des Theaters. Ein Publikum konstituiert sich im „Wechselspiel von Serialität und Dissidenz“.15 Serialität ist die gegenseitige Abhängigkeit eines Kollektivs, die aber rein äußerlich ist, ohne individuelle wechselseitige Beeinflussung. Ein Theaterpublikum ist aber andererseits nicht völlig determiniert durch diese Serialität, jeder kann sich seine individuelle Freiheit jederzeit zurückholen (durch Zwischenruf, Buhrufen, Saalverlassen etc.). Man handelt als Publikum „in individueller Differenz gemeinsam“.16

In Anlehnung an den Phänomenologen Aron Gurwitsch unterscheidet Roselt drei Dimensionen von Wir-Erlebnissen: Partnerschaft, Gemeinschaft und Bund. Alle drei können die Situation einer Theateraufführung kennzeichnen:17 die Begegnung in einer Rolle (Partnerschaft), die Erfahrung der Zugehörigkeit (Gemeinschaft), emotionale Verschmelzung (Bund). Als Beispiel für diese altertümlich anmutende Begrifflichkeit aus den 30er Jahren führt Roselt aber die Produktion „Paradise Now“ des Living Theatres an (die im Januar 1970 in der Berliner Akademie der Künste zu sehen war).18 So kann Roselt die Wirkung des Avantgarde-Theaters der 60er Jahre „als neue Form sozialer Erfahrung“19 analysieren, ohne diese für „politisch“ zu erklären, obwohl das Living Theatre sich ausdrücklich als politisches Theater in der radikalisierten Nachfolge von Erwin Piscator verstand20. Roselt zeigt also durch genaue Analyse, dass neue experimentelle Theaterformen, die die traditionelle „Schau- und Höranordnung“ des Theaters überwinden und eine „Exploration des situativen Aspekts“21 des Theaters verfolgen, zwar neue Formen sozialer Erfahrung für das Publikum ermöglichen, diese aber nicht mit einer politischen Erfahrung gleichgesetzt werden müssen.

Oder mit den Worten Oliver Marcharts:

„Nicht jede soziale Praxis ist eine politische Praxis.“22

II „Theater ist politisch, wenn …“

a) deskriptiv

1.  Erwin Piscator

Erwin Piscator hat den Begriff des „politischen Theaters“ in den 1920er Jahren geprägt. Er meinte damit sein Theater, das Piscator-Theater. Der Begriff ist also aus der Perspektive der Theatermacher entstanden, nicht als analytischer Begriff der Theaterbeobachtung. Weil Piscator mit „politischem Theater“ sein eigenes Theater meint, das er als Regisseur und Theaterleiter gestaltet, ist für ihn „politisch“ auch kein deskriptiver Begriff. Für ihn ist deshalb das politische Theater notwendigerweise ein „proletarisch-politisches Theater.“23 Die Notwendigkeit dieses Theaters begründet sich für ihn aus der Gegenwart, in der er in den 20er und 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts sein Theater entwickelte.

„Eine Zeit, in der die Beziehungen der Allgemeinheit untereinander, die Umordnung aller Verhältnisse auf der Tagesordnung stehen, kann auch den Menschen nur sehen in seiner Stellung zur Gesellschaft, als politisches Wesen.“24

Zustände, die jede Lebensäußerung zu einer politischen machen, erfordern auch ein politisches Theater. .

Unpolitisches Theater gibt es für Piscator auch, aber nur wenn eine herrschende Klasse das Theater aus den Machtkämpfen einer Gesellschaft heraushalten will. Für Piscator hieße der Satz also: „Theater ist politisch, wenn es nötig ist.“

2. Siegfried Melchinger

Diese Auffassung, dass das politische Theater eine spezielle Unterart von Theater ist, neben Unterhaltungstheater, Boulevardtheater, Kindertheater usw., wird heute nur noch selten vertreten. Ein prominentes Beispiel für diese Sichtweise in den 60er und 70er Jahren, als der Begriff des „Politischen Theaters“ wieder in die Diskussion kam, ist Siegfried Melchingers umfangreiche „Geschichte des politischen Theaters“25.

Für die heutige Diskussion ist Melchingers theaterhistorische Darstellung wenig brauchbar, weil sie sich, trotz der Kenntnis von Living Theatre und Bread and Puppet Theatre, nur auf Theatertexte, auf Stücke bezieht, und auch nur auf solche, die 1970 noch gespielt wurden. Für ihn ist das Theater ist immer Objekt von Politik. Aber Politik ist auch ein Thema von Theater(stücken).

„Politik ist ein wichtiges und zu Zeiten vordringliches Thema des Theaters. Doch ist sie niemals das einzige gewesen, und das wird und kann sie so wenig sein wie im Leben.“26.

Für Melchinger ist nicht alles Theater politisch, aber seine Bestimmung des Unterschieds zwischen politischem und unpolitischem Theater bleibt ungenau:

„Das politische Theater stellt Situationen, Vorgänge her, die für viele, die meisten, vielleicht für alle wichtig sind. Es zeigt mögliche Verhaltensweisen in diesen Situationen; es zeigt sie kritisch und appelliert an Kritik. An die Kritik der Zuschauer. Erst wenn es dem politischen Theater gelingt, die Zuschauer in die Situationen, Vorgänge einzubeziehen, stellt es die Öffentlichkeit her, die sein markantestes Merkmal ist.“ 27.

Das Kriterium der Öffentlichkeit gilt ja für alle Arten (gegenwärtigen) Theaters, sofern sie nicht Privatveranstaltungen sind. Daraus ergibt sich auch, dass das Theater versucht, „für alle“ wichtig zu sein – was ihm aber niemals gelingen kann. Das Gegenbild des unpolitischen Theaters wird nur abwertend mit den gängigen Begriffen wie „Rührung“, „sonderbare Identifikation“, „schöne oder erhebende Illusion“ gekennzeichnet28.

Melchingers zunächst deskriptiver Begriff des politischen Theaters, zeigt sich im Verlaufe seiner Darstellung als normativer. Nicht nur soll politisches Theater kritisch sein, es soll nicht den „Absichten herrschender Systeme“ dienen 29, sondern es soll immer politisches Theater geben. Trotz der Wirkungslosigkeit des politischen Theaters, die Melchinger am Ende seines Durchgangs konstatiert, fordert er:

„Nun, da nichts erreicht worden ist, stellt sich die Aufgabe auch fürderhin: durch politisches Theater einzugreifen in den Übermut der Politiker.“ 30

Melchingers „Geschichte“ ist geschrieben aus der Perspektive eines Theaterkritikers, und der kann Wertungen nun mal nicht unterlassen.

Vorläufiges Fazit:

Einen wirklich deskriptiven Begriff des „politischen Theaters“ scheint es nicht zu geben. Aber warum?

Fortsetzung folgt.

  1. Erika Fischer-Lichte, {Lemma} „Politisches Theater“ in: Erika Fischer-Lichte e.a. (Hg.), Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart/Weimar: Metzler 2. Aufl. 2014, S. 260-262
  2. Badiou war von 1969-1985 führendes Mitglied der ‚Union des communistes de France marxiste-léniniste‘ UCF-ML. 1974 war er der führende Kopf der Gruppe „Foudre“ (Blitzschlag), die Filmvorführungen sprengte, indem sie Farbbeutel auf die Leinwand warf, und die auch Ariane Mnouchines Vorstellungen störte, weil sie ihre Arbeit mit Immigranten für falsch hielt. Er ist Autor einer Tetralogie von Theaterstücken „Le Cycle Ahmed“, sein Dialog „La Républic de Platon“ wurde 2015 beim Festival in Avignon aufgeführt. Ausführliche Hinweise auf Badious Theaterstücke und ihre Rezeption finden sich in Anmerkung 6. von Bruno Bosteels Vorwort zur englischen Ausgabe von Rhapsodie pour le théâtre {Alain Badiou, Rhapsody for the theatre. Edited and introduced by Bruno Bosteels. London: Verso, 2013 p.X-Xi}. In diesem Band findet sich auch eine englische Version eines Textes Badious über seine „Ahmed“-Tetralogie {ibid. p.139-159}. Die französische Originalfassung dieses Textes einschließlich des Stücktextes von „Ahmed le subtil“ anlässlich der Aufführung in Reims und Avignon 1994 findet sich bei numilog.com. 
  3. Alain Badiou, Rhapsodie für das Theater. Kurze philosophische Abhandlung. Wien: Passagen Verlag, 2015. S.49
  4. „Isomorphie {des Theaters} mit der Politik (bei Beachtung der figurativen Distanz).“ ibid. S.36
  5. ibid. S.33
  6. ibid S.34
  7. ibid. S. 38, 43
  8. ibid, S. 49
  9. Oliver Marchart, Die politische Differenz. Zum Denken des Politischen bei Nancy, Lefort, Badiou, Laclau und Agamben. Suhrkamp, 4. Aufl. 2019, S. 169
  10. Im Internet zugänglich ist eine englische Version seines Essays über Gerechtigkeit „Philosophy and Politics“ von 1999.
  11. Marchart, S. 177: „Badiou wird zu seinen ethizistischen Engführungen verleitet, weil er Politik nicht als Immanenzraum ineinander verknoteter Kräfte verstehen will {…}, sondern in seiner Zwei-Welten-Lehre eine strikte Trennung zwischen dem Staat und einer Politik der Wahrheit aufrechterhalten will.“
  12. Oliver Machart, „Auf der Bühne des Politischen. Die Straße, das Theater und die politische Ästhetik des Erhabenen“ {2004} https://transversal.at/transversal/0605/marchart/de
  13. Janelle Reinelt, „Notes for a Radical Democratic Theater: Productive Crises and the Challenge of Indeterminacy“, in: Jeanne Colleran und Jenny S. Spencer (Hg.): Staging Resistance. Essays on Political Theater, Ann Arbor: The University of Michigan Press 1998, S. 286. orig.: „In casting my comments within the discourse of what might be called ‚democratic civics‘, I am attempting to theorize a theatrical space patronized by a consensual community of citizen-spectators who come together at stagings of the social imaginary in order to consider and experience affirmation, contestation and reworking of various material and discursive practices pertinent to the constitution of a democratic society.“ zit. deutsch bei Marchart 2004
  14. Jens Roselt, Phänomenologie des Theaters. München: Wilhelm Fink, 2008
  15. Roselt S. 333
  16. Roselt S. 330-333 und: „Es hat sich erwiesen, dass Wir-Erlebnisse eine entscheidende Dimension von Theatererfahrungen sind. Das Publikum gilt dabei nicht als Voraussetzung der Aufführung, sondern geht als solches aus ihr hervor, d.h. es entsteht und vergeht in ihrem Verlauf. Dieses ‚Wir‘ ist ein temporäres und fragile Gebilde, das in markanten Momenten zu emergieren vermag.“ S. 360
  17. Roselt S.345
  18. In meiner Erinnerung ein chaotisches Durcheinander auf der Bühne, die das Publikum, das auf den beiden Längsseiten der Spielfläche in zwei Blöcken saß, wenig berührte.
  19. Roselt S. 355
  20. Judith Melina: „Ohne Frage war das Living Theatre immer ein politisches Theater. Das ist auch immer Piscators Ansicht gewesen.“ Erika Billetter, The Living Theatre. Paradise Now. Ein Bericht in Wort und Bild. Bern: Rütten + Loening, 1968, S.15f
  21. Hans-Thies Lehmann, „Wie politisch ist postdramatisches Theater?“, In: H-Th.L., Das Politische Schreiben. Essays zu Theatertexten. Berlin: Theater der Zeit, 2002 {= Recherchen 12; zuerst in: Theater der Zeit, Oktober 2001}, S.35
  22. Oliver Marchart, Buchvorstellung Conflictual Aesthetics. Universität für Angewandte Kunst Wien.
  23. Erwin Piscator, Theater der Auseinandersetzung. Ausgewählte Schriften und Reden. Frankfurt/M: Suhrkamp, 1977, S. 17. Diese Formulierung findet sich einem Artikel, den Piscator in der „Roten Fahne“, der Parteizeitung der KPD, am 1.1.1928 veröffentlichte.
  24. Piscator S.26
  25. Siegfried Melchinger, Geschichte des politischen Theaters. Velber: Friedrich Verlag, 1971. Entstanden aus einer Vorlesungsreihe an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart 1970/71
  26. ibid. S.9. Aus heutiger Sicht amüsant ist Melchingers Zusatz: „Zwar hat der Abbau der Zwänge und Tabus, den wir auf diesem Gebiet{Sex} erleben, ohne Zweifel auch eine politische Relevanz. Aber niemand wird so albern sein, die Tatsache selbst, die Teilung des Menschengeschlechts in zwei Geschlechter, die sich zueinander verhalten und miteinander paaren, als solche in die Zuständigkeit des Politikers zu verweisen.“
  27. ibid. S. 17
  28. ibid. S. 17
  29. ibid. S.18
  30. ibid. S.418

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