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Produktionshäuser

„In Deutschland haben die freien Produktionshäuser nicht wie in anderen Ländern die staatlich subventionierten Häuser und Strukturen abgelöst.“

Bettina Masuch, Intendantin des Tanzhauses NRW in Düsseldorf: (1)

Daran ist falsch:
Auch die freien Produktionshäuser werden staatlich subventioniert (2), nur nicht in dem Maße wie die Stadt- und Staatstheater. (3)
„Staatliche subventionierte Häuser und Strukturen“ wie in Deutschland, also Theater mit festen Ensemble und Repertoirespielplan, gab es in den westlichen Nachbarländern Deutschlands lange nicht.

Die „staatlich subventionierten Häuser“ wurden in diesen Ländern nicht abgelöst, sondern es gibt sie noch oder es gab sie nie oder es gab Versuche, das deutsche Modell nachzuahmen.

Es ist nicht so, dass Deutschland einen Prozess nachholen müsste, der in anderen Ländern bereits stattgefunden hat. Es geht den Verfechtern der Aufwertung der freien Szene um einen Angleichungsprozess an Verhältnisse, wie sie in den westlichen Nachbarländern (jedenfalls außerhalb der Metropolen) schon immer bestanden. Der Unterschied zwischen „Überwindung eines Rückstandes“ und „Angleichung an westeuropäische Verhältnisse“ scheint vielleicht gering, ist aber für die Diskussion über das deutsche Theatersystem von argumentationsstrategischer Bedeutung. Der Topos der „verspäteten Nation“ (4) wird hier ohne sachliche Grundlage bemüht.


  1. Bettina Masuch in: Tobi Müller, Theaterräume. Radiofeature WDR 3 20.05 2017
  2. z.B. durch das Land NRW 2014: 8 Mio.. Der größte Teil der Subventionierung erfolgt in NRW in beiden Bereichen aber durch die Kommunen, z.B. Stadt Köln 1,8 Mio.
  3. z.B. Land NRW 2014: 14 Mio., Kommunen in NRW insgesamt ca 400 Mio., Stadt Köln: ca 50 Mio. Sachstand Bericht Theater Stadt Köln
  4. Helmuth Plessner, Die verspätete Nation: Das Schicksal deutschen Geistes im Ausgang seiner bürgerlichen Epoche. Zürich 1935
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